Urlaub mit Kind – und wieder ist alles anders

Urlaubszeit! Das bedeutet langes Schlafen, viel Erholung und jeden Stress tunlichst zu vermeiden. Ausreichend Zeit für die bessere Hälfte finden, Sport betreiben und endlich all die Zeitschriften und Bücher lesen, die sich auf dem Stapel in der Küche seit Wochen türmen, stehen ebenso ganz oben auf der „Muss ich im Urlaub machen“-Liste. Ja, letztlich geht es um die Dinge, die das ganze Jahr zu kurz kommen. Doch mit einem Kind als Urlaubsbegleiter ist wieder einmal alles anders.

Was muss alles mit?

Dieses „Anders „beginnt bei uns bereits mit der Vorbereitung auf den vierzehntägigen Urlaub nach Kärnten. Bei unserem ersten Kurz-Trip für ein paar Tage in Österreichs südlichstes Bundesland platzte das Auto aus allen Nähten. Bei der Kleidung für unseren Nachwuchs lässt meine liebe Ehefrau auch nicht mit sich spaßen. Es muss für jede klimatische Veränderung das richtige Gewand dabei sein – für heißes über warmes Wetter bis zum möglichen Wintereinbruch im Sommer. Selbiges gilt für die Reiseapotheke. Jede Krankheit könnte ja einen Ausbruch in den kommenden vierzehn Tagen planen. Kurzum: Was daheim wichtig ist, muss auch mit in den Urlaub. Leichter ist es selbst bei Samuels Spielsachen nicht. Detektivisch beobachten wir seine Spielzeug-Vorlieben in den letzten Wochen. Um ja keinen vermeintlichen Favoriten zu vergessen. Noch redet der kleine Mann ja nicht mit uns darüber. Letztlich fand sich im Auto ein großer Koffer für Samuel – mit dem wir in Vor-Baby-Zeiten zu zweit auf Reisen waren – ein übergroßer Sack an Spielsachen und für seine Eltern gemeinsam ein kleiner Trolley sowie ein Rucksack wieder.

Die Fahrt – das Timing muss passen

Auch die Fahrt in die Urlaubsdestination muss genau getimt sein. Nach mehreren Versuchen haben wir das optimale Zeitfenster gefunden: Wir starten kurz nach 12 Uhr, um den Mittagsschlaf meines Sohnes perfekt zu nutzen. Rund die Hälfte der Autofahrt von Wien nach Kärnten verpennt so der kleine Mann. Doch wehe, sollten wir in der Schlafenszeit einen kurzen Boxenstopp wagen. Dann ist es mit der Ruhe vorbei und die Fahrt wird richtig lange. Dennoch habe ich es nicht eilig, die Strecke Wien-Klagenfurt zurückzulegen. Die Gewissheit, dass am Zielort bereits meine nach ihrem Enkelsohn lechzende Schwiegermutter wartet, bremst – und schützt vor Radarstrafen.

Der typische Urlaubstag mit einem Kind

Ausschlafen stand einmal nicht auf Samuels To-do-Liste für den Urlaub. Gegen 6:30 Uhr begrüßte er konsequent den Tag. Während ich weit länger brauchte, um aktiv zu werden, düste der kleine Mann nach seinem Frühstück ohne Anlaufschwierigkeiten bereits durch die Ferienwohnung. Damit ich endlich selbst auf Touren kam, nahm ich ihn gleich auf eine mit. In den Vormittagsstunden erkundeten wir auf dem Fahrrad die nähere Umgebung. Bei Schlechtwetter legten wir den Fokus auf eine ausgefeilte Technik bei den unterschiedlichsten Ballsportarten. In der Wohnung wohlgemerkt. Samuel warf den Ball und ich lief hinterher …

Der Mittagsschlaf

Eigentlich sollte der Mittagsschlaf des Kindes das optimale Zeitfenster sein, um ein wenig Urlaubsflair von früher aufkommen zu lassen. Endlich sollte Zeit für die Dinge sein, die in der Theorie einen erholsamen Urlaub garantieren. So ist es aber nicht. Die rund 90 Minuten Ruhezeit werden hingegen für unaufschiebbare Notwendigkeiten genutzt. Einkaufen, Mittagessen und das Einpacken unzähliger Sachen für den Ausflug zu einem See (Stichwort: möglicher Wetterumschwung) standen in der kurzen Zeit am Programm. Und das alles im „Silent Mode“ – denn jede schlafende Samuel-Minute ist kostbar.

Der Nachmittag

Jetzt gings zu einem der Kärntner Seen – wir hatten den Keutschacher See zu unserem Favoriten gekürt. Mit seiner Mama testete mein Sohn das Wasser und beschwerte sich lautstark, musste er es wieder verlassen. Zwischen den Schwimmeinheiten sammelten Papa und Sohn Steine, beförderten diese ohne eine Regelmäßigkeit zu erkennen, konzentriert von A nach B, ackerten die Sandkiste um, erlernten das Stufensteigen (Treppen üben eine unglaubliche Faszination aus) und trainierten seine fußballerischen Fähigkeiten. Dieses Mal im Freien – zur Erleichterung seiner Mama. In Rekordzeit ging der Nachmittag in den Abend über. Und der kleine Mann gegen 20 Uhr ins Bett.

Bilanz des Urlaubs

In vierzehn Tagen habe ich über 1.000 Steinen einen neuen Heimatort geschenkt, bin gefühlte 10.000 Stufen hinauf und hinunter gestiegen, legte 200 km mit dem Rad mit meinem Sohn am Kindersitz zurück, habe keinen einzigen Sandkuchen gebacken, hatte einen großen (Städter-)Zeh im für mich zu kalten Wasser und habe eine Million gutgemeinter Ratschläge meiner Schwiegermutter vernommen. Ich hatte allerdings auch kaum mein Handy in der Hand, dachte nur in den ersten Tagen noch kurz an meinen Berufsalltag. Ich verbrachte so viel gemeinsame Zeit mit meinem Sohn, lernte zu erkennen, was er schon gelernt hatte. Und tatsächlich: Ich fühle mich nach vierzehn Tagen so erholt wie schon lange nicht mehr. Ja, ein Urlaub mit Kind ist anders – es ist einfach schön.

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