Die neue Selbstständigkeit: Der Helikopter-Papa hat ausgedient!

„Papa, ich schaffe das schon“ – ein Satz, den ich seit einiger Zeit immer öfters von meinem siebenjährigen Sohn höre. Die neue Selbstständigkeit hat begonnen.

Es steckt so sehr in mir drinnen. Probleme sind da, um gelöst zu werden. Weisheiten, wie „es gibt keine Probleme, nur Lösungen“ habe ich verinnerlicht. Mein Helferlein-Syndrom hat sich sogar weiterentwickelt. Ich habe gelernt, dass man manchmal sogar nur Probleme bewundern will, damit es einem besser geht. Dann sind Ratschläge nur Schläge und allein das Zuhören löst das Problem. Was dieses Phrasendreschen mit meinem Sohn zu tun hat? Naja, der Grat zwischen „beschützen“ und einfach „lassen“, ist für mich hin und wieder (zu) schmal. Oder bin ich gar ein Helikopter-Papa, wie es im Eltern-Jargon heißt …

Der schmale Grat

Natürlich nicht! Also das meine ich zumindest. Eigene Erfahrungen machen und neue Herausforderungen im Kindesalter meistern, gehören zu einer guten Entwicklung dazu. Auch aufgeschundene Knie. Weil eben das Laufen am rutschigen Rand eines Schwimmbeckens keine ideale Idee ist. Blöd nur, dass ich das als Mann mit einigen Jahren Lebenserfahrung schon vorher weiß und meinem Sohn diese schmerzhafte Erfahrung ersparen möchte. Und solche Prophezeiungen begleiten meinen Alltag als fürsorglicher Papa. Das ist der schmale Grat, auf dem ich mich bewege.

„Papa, ich schaffe das schon!“

Vor allem die letzten Monate zeigten, dass der Helikopter (sollte dieser überhaupt in Verwendung gewesen sein …) keine Landeerlaubnis mehr erhält. Übermannt mich meine Fürsorge, zeigt mir der kleine Mann klar die Grenze auf. Dann höre ich Sätze, wie „Papa, ich schaffe das schon“ oder „Du musst mir nicht helfen“. Hochmotiviert versucht Samuel selbst die kleinen und großen Dinge seines Lebens zu meistern. Ich ertappe mich dabei, wie ich überrascht bin, was er nun wieder versucht oder mit welcher Selbstverständlichkeit er es auch macht.  

Damals …

Schleichend, aber merkbar, passieren diese Schritte in die Selbstständigkeit. In Erinnerung bleibt mir dennoch, als er sich im Urlaub am Buffet selbst bediente. Voller stolz transportierte der damals Fünfjährige – wie auf einem Laufsteg – den vollgepackten Teller zu unserem Tisch. Auch wenn nicht alle Sachen ankamen, überstrahlte seine eigene Freude über seine Leistung das anschließende Beseitigen der Spuren. Mittlerweile schafft er seither die Organisation von Essen und Trinken sogar in den eigenen vier Wänden. Wenn ihn die eigene Faulheit nicht daran hindert.

Und heute?

Heute darf ich ihn beim Fußballtraining gerade noch zum Platz bringen, die Adjustierung übernimmt er selbst. Beim Skikurs kürzlich, durfte ich gerade noch die Ski zum Treffpunkt bringen. Dann wurde ich bereits von ihm weggeschickt. Aus der Ferne beobachtete ich, wie er mehrmals versuchte, den Schuh in die Bindung zu bringen. Ja, ich gebe es zu: Meine Gedanken kreisten, wie schnell wir wohl wären, würde ich ihm helfen. Aber er meisterte es schließlich ganz allein.

Die andere Seite

So schön und aufregend das auch klingen mag: Die Entwicklung eines Kindes verläuft ja nie auf einer Geraden. Es gibt eben auch Abzweigungen. Das liegt einerseits an mir selbst, wenn ich ungeduldig helfend unter die Arme greifen will und ein Problem schon löse, bevor dieses überhaupt da ist. Auf der anderen Seite ist es natürlich oftmals auch bequemer, das Full-Service der Eltern in Anspruch zu nehmen. Daran arbeiten wir beide noch. Unser gemeinsames Ziel ist dennoch klar: Samuel soll selbstsicher und mutig durchs Leben gehen, eigene Erfahrungen sammeln und Dinge einfach ausprobieren. Und wenn etwas schief läuft, bin ich ja da.

Hinterlasse einen Kommentar.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

*