Corona: Und täglich grüßt das Kinderprogramm

Vor über zwei Wochen hat uns das Corona-Virus Hausarrest verordnet. Kein Kindergarten, kein Spielplatz, keine Freunde und auch kein Opa – dafür eine volle Ladung Mama und Papa. So muss es zumindest für meinen dreijährigen Sohn aussehen. Täglich sind seine Eltern auf der Suche nach einem spannenden Kinderprogramm, übertreffen sich gegenseitig mit kreativen Einfällen. Doch letztlich mussten auch wir die Angler-Weisheit lernen: Der Köder muss dem Fisch schmecken und nicht dem Angler …

Der Master-Plan

Als sich die Ausgangsbeschränkungen ankündigten, schmiedete ich umgehend meinen Master-Plan: Ausschlafen bis zumindest 9 Uhr, am Vormittag kreative Bastel-, Sing-, Tanz- und Bewegungseinheiten. Nur unterbrochen, wenn mein Sohn den Wunsch nach frischer Luft äußert (was er im Rahmen meines Master-Plans natürlich mehrmals täglich tut). Nach einem ausgiebigen Mittagsschlaf wiederholen wir gemeinsam das am Vormittag Erlernte und schaffen noch Zeit für Spielstunden. Abends schläft der kleine Mann glücklich und schnell ein, sodass seine Eltern sogar noch einen gemeinsamen Abend verbringen werden. Ich war mir sicher, mit diesem Konzept ganz neue Maßstäbe in Eltern-Kind-Beziehungen setzen zu können.  

Die Realität

Naja, die Realität sah rasch etwas anders aus. Morgens verweilten wir nur mit Glück bis maximal 7 Uhr im Bett. Dass plötzlich kein morgendlicher Zeitdruck herrschte, kostete mein Sohn vollends aus. Vor dem Frühstück musste noch ein Lego-Haus gebaut und auf der Couch herumgelungert werden. Die kreativen Basteleinheiten beschäftigten ihn nur Augenblicke, beim Malen begeisterten nur die ersten Striche und ob er singen oder tanzen (mit seiner Mama) möchte, traute ich mich erst gar nicht vorzuschlagen. Auf den Satz „Ich will nach draußen an die frische Luft“ müsste ich immer noch warten. Fragt man ihn nach seinen Bedürfnissen, würde der kleine Mann am liebsten den ganzen Tag Lego-Häuser bauen und vor dem TV-Gerät verbringen.

Neues Kinderprogramm

Es dämmerte mir rasch, dass wir so nur einen Tag, aber nicht mehrere Wochen überstehen werden. Zeitgleich setzte uns die Kindergarten-Eltern-Whatsapp-Gruppe mit immer neuen Postings, was die anderen Kinder nicht gerade alles tun, unter Druck. Blöd – für mich – nur, dass sich mein Sohn damit überhaupt nicht aus der Ruhe bringen ließ. Also schmiedeten meine liebe Ehefrau und ich ein tägliches Kinderprogramm: Ich baute Bobby-Car-Rennstrecken auf der verwaisten Straße vor unserer Haustüre, stellte einen Indoor-Hindernisparcours zusammen, kramte den Spielekoffer mit sämtlichen Kinder-Brettspielen hervor. Meine liebe Ehefrau suchte nach kurzweiligen Bastelaufgaben und studierte am Klavier Kinderlieder ein.

Und heute …

Hier komme ich wieder auf die eingangs erwähnte Angler-Weisheit. Nicht alles gefiel meinem Sohn so gut, wie seinen Eltern. Ok, die Bobby-Car-Rennstrecke zählen wir mittlerweile zu unserem täglichen Programm, der Hindernis-Parcours hat noch Potenzial. Der Spielekoffer steht jedoch wieder im Schrank, die Bastelaufgaben machte vorwiegend meine liebe Ehefrau fertig. Dafür bauen wir mindestens fünf neue Lego-Häuser, -Bahnhöfe oder -Flughäfen am Tag, erweiterten das Fernseh-Volumen auf zweimal 15 Minuten, spielen endlos fangen, verstecken oder lösen Puzzles.

Die Zeit mit Familie

Lange habe ich mich nach mehr Zeit mit meinem Sohn gesehnt. Ich träumte davon, gemeinsam Spielplätze zu erobern, Ausflüge zu machen und unzählige Erlebnisse zu sammeln. Jetzt habe ich 24 Stunden am Tag meine Familie um mich – in den eigenen vier Wänden. Und die können manchmal schon ziemlich eng werden. Dennoch: Ich genieße diese Zeit. Geht es nach mir, könnte sie noch ewig so andauern. Ich zeige zwar vom Lego-Bauen erste Verschleißerscheinungen. Der Tennis-Arm heißt wohl bei Eltern „Lego-Arm“. Einen Papa-Oskar für das kreativste Kinderprogramm werde ich kaum erhalten. Auch werde ich nie DIY-Anleitungen auf meinem Blog posten oder die Kindergarten-Whatsapp-Gruppe mit Ideen beeindrucken können. Aber der Satz von meinem Sohn „Ich will mit Papa ein Lego-Haus bauen, weil ich ihn lieb habe“, gehört mir ganz allein.

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