Lauftraining: Kind, Körper und Zeit spielen selten im gleichen Team

Hoch motiviert startete ich Ende letzten Jahres das Projekt „Laufen mit Kinderwagen“. Und Kind. Die Idee, Lauftraining mit meinem Sohn zu verbinden, war schließlich auch gut. Die Ausführung zeigte allerdings deutlichen Verbesserungsbedarf. Ich wusste die Materialfrage nämlich nur in der Theorie zu beantworten. Ein neues, lauftauglicheres Teil lag einfach nicht im Rahmen des familiären Sport-Budgets. Dennoch ließ mich die Vision, mich läuferisch wieder in Form zu bringen, nicht los. Dafür brauchte ich ein Ziel: Ich wählte den Wings For Life World-Run am 6. Mai in Wien. Ziemlich genau vier Jahre nach meiner letzten Teilnahme an einem Lauf-Event.

Der Plan

Während eines lahmen Champions Leaque-Spiels erstellte ich mir einen 6-Wochen-Trainingsplan. Am Papier sahen die vier geforderten Trainingseinheiten pro Woche gar nicht schlimm aus. Die Zeit dafür plante ich abends und am Wochenende zu den Schlafenszeiten meines Sohnes ein. Keinesfalls durfte das Papa-Sohn-Zeitkonto angegriffen werden. Voller Euphorie kramte ich am nächsten Tag meine Laufbekleidung aus der unter dem Bett verstauten „Brauch-ich-nie-wieder“-Kiste hervor. Die Hose passte, das Leiberl lag etwas eng an meinem Körper. Zu meinem Glück nennt man diesen Kleidungsstil heutzutage ja Kompressionskleidung.

Das Lauftraining

Der Startschuss für mein Ziel erfolgte in meiner Urlaubswoche. Die Fortschritte motivierten mich und überlagerten das nervige Gezwicke in sämtlichen (unbekannten) Muskelpartien während und nach den Laufeinheiten. Mein Körper passte sich zu meiner Enttäuschung immer mehr meinem Alter an. Mit meiner Rückkehr in den Arbeitsalltag stellte sich auch mein Trainingsplan um oder – besser gesagt – ein. Das Zusammenspiel aus Kind, fitter Körper und Zeit funktionierte selten und ließ ein kontinuierliches Training kaum zu. Ich trainierte, wenn es irgendwie „passte“ und nicht, wenn ich tatsächlich „bereit“ war. Immerhin absolvierte ich durchschnittlich zwei Laufeinheiten pro Woche.

Das Finale

Wenige Tage vor dem Wings For Life World-Run verabschiedet sich Schritt für Schritt meine Motivation. Sechs Wochen lang einen fixen Bestandteil in den sowieso schon engen Zeitplan aufzunehmen und sich dabei auch noch auszupowern, kostete viel Energie. Mein 15 km-Ziel (jetzt verrate ich auch noch das) am Tag X klingt weiter in der Ferne als noch bei der Planung. Und dennoch war es wieder cool, sich ein sportliches Ziel zu setzen und dafür zu trainieren. Wie es danach weiter geht, steht in den Sternen. Zur Auswahl stehen das endgültige Ende meiner Laufkarriere, die Anschaffung eines lauftauglichen Kinderwagens oder ich steige auf das Radfahren mit Kind im Fahrradsitz um. Auflösung folgt …

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