Wenn die Wut-Welle kommt …

Ein Nachmittag wie immer: Nach dem Kindergarten gehe ich mit meinem Sohn in den Garten und wir werfen sämtliche Bälle per Hand und Fuß durch die Luft. Bevor wir in sein Zimmer pilgern und eine Lego-Garage mit einem Zauberschloss bauen. Ein typischer Nachmittag eben. Scheinbar. Denn plötzlich kippt die Stimmung. Eine Wut-Welle schwappt auf uns über und erfasst meinen vierjährigen Sohn mit voller Wucht. Ohne ersichtlichen Grund.

Ein typischer Nachmittag

Aber zurück zum typischen Nachmittag: Mein 4 Jahre alter Sohn beginnt die ersten Garagenwände mit den Lego-Steinen zu bauen. Ich beobachte und warte auf meinen Einsatz als Lego-Architekt. Plötzlich wirft der kleine Mann einen Baustein durch sein Zimmer, sieht mich an und startet schreiend seinen Wutanfall. Jeder Versuch von mir, die Situation zu beruhigen, macht es noch schlimmer. „Lass mich“ oder „Geh weg“ sind die Sätze, die noch einigermaßen zu verstehen sind. Übertönt von seiner Wut, die sich vokal ihren Weg bahnt. Knapp eine Stunde dauerte in diesem Fall seine Unpässlichkeit. Und endete genauso überraschend, wie sie kam. Mein Sohn wollte mit mir „auf der Couch kuscheln“.

Die Wut-Auslöser

In den Wochen vor seinem 4. Geburtstag tickte die Wutbombe beinahe täglich. Danach kehrte wochenlang wieder Ruhe ein. Mit Beginn des Kindergartens nach den Ferien im Februar setzte der kleine Mann sein Schauspiel erneut fort. Einmal war ein Auslöser – wie beschrieben – die Bauweise seiner Lego-Garage. Ein anderes Mal mundete plötzlich sein Lieblingsessen nicht. Oder die Schuhe gefielen ihm nicht mehr. Genauso konnte es aber auch der Spielplatz sein, der ihm nicht mehr passte. Es gab keine gemeinsamen Nenner, die seine Wutausbrüche erklären konnten. Sie passierten.

Grenzen

In der ersten Phase seiner Stimmungsschwankungen wählte ich „Ruhe bewahren“ als Lösungsmittel. Ich saß seinen Wutausbruch einfach mit ihm aus. Mit der Zeit fiel mir das doch deutlich schwerer. Auch, weil mein Sohn es immer besser verstand, meine innere Ruhe herauszufordern, seine und meine Grenzen gezielt austestete. Ich versuchte ihn zu beruhigen, aber auch zu zeigen, dass sein Verhalten Konsequenzen hat, indem ich immer mehr an den Regeln schraubte. Und Verbote aussprach. Diese Taktik ist ja auch seit Generationen so überliefert …

Machtspiel

Im Akutfall lassen den kleinen Mann diese Konsequenzen allerdings ziemlich kalt. Letztlich reduziere ich in unserem Streitgespräch sein Freizeitprogramm so sehr, dass ich mich schon wieder fragen muss, was wir überhaupt noch machen können. Doch der junge Mann versteht es, zu kontern: Plötzlich baut sich eine 105 cm große Urgewalt vor mir auf und spricht lautstark Verbote für mich aus. Ich darf dann nicht mehr spielen, fernsehen oder gar in seiner Nähe sein. Hier läuft etwas falsch!

Der Tag danach

So eine Diskussion zerrt ungemein an den eigenen Kräften. Selbst am nächsten Tag habe ich diesen Gefühlausbruch noch nicht überwunden. Ist etwas im Kindergarten passiert, was ich nicht weiß? Testet er seine Grenzen aus? Kämpft er mit seinen Emotionen? Ist das alles nur eine Phase? Vielleicht ist es auch von allem ein bisschen. Vielleicht. Ich überlege, ob die von uns festgesetzten Regeln und Grenzen doch zu schwammig sind. Ich rätsle, ob wir die Ursache suchen oder die Symptome bekämpfen sollen. Ich kämpfe mit mir selbst, da mir jedes Verbot auch selbst irgendwie weh tut. Und ich ertappe mich, wie ich beginne, Situationen zu vermeiden, die einen Wutanfall auslösen können und meinen Sohn, wie ein rohes Ei behandle.

Was tun?

Zum Glück gibt es als Regulativ noch meine liebe Ehefrau. Gemeinsam beschlossen wir, die Wutbombe nicht mehr selbst zu entschärfen. Wir erklärten dem kleinen Mann, dass er traurig und wütend sein kann. Klingt hart und schwierig für alle Beteiligten. Ist es auch! Dennoch soll er bei seinen emotionalen Unpässlichkeiten stets das Gefühl haben, seine Mama und sein Papa sind da. Wir setzen auch konsequenter Grenzen, um nicht selbst an unsere Grenzen zu stoßen. Auch das ist schwierig.

2 Kommentare

  1. Super Artikel! Ich glaube genau so muss man das machen 😉
    Da kommt ja wohl noch was auf uns zu. Unsere 2 Jährige hat jetzt schon solche Anfälle.

    Grüße
    Maximilian von derpapablog.de

    1. Naja, ich weiß noch nicht genau, ob es so klappen wird ;-). Aber es ist mal ein Plan …
      Mit Kindern wird es nie langweilig. Aber denk immer daran: Es ist alles nur eine Phase 😉

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