3,5 Jahre Papa & Sohn – das Tempo wird höher

Manchmal traue ich meinen Augen und Ohren nicht. Hat mir jetzt tatsächlich dieser 100 cm große Mensch neben mir erklärt, dass ich mehr Gemüse essen soll? Wo ist denn das kleine Baby nur hin, dem ICH die Welt erklären wollte? Das Baby ist zu einem 3,5 Jahre alten Bub geworden, der vor allem in den letzten sechs Monaten sein Entwicklungstempo rasant erhöhte.

Spannendes Alter

Der kleine Mann wird immer selbstständiger. Aber es geht eben auch nicht ohne Mama und Papa. Dieser innere Konflikt scheint ihn manchmal selbst zu überraschen und herauszufordern. Denn im Idealfall sollen seine Eltern ganz genau wissen, wann sie mit ihm spielen oder einfach nur anwesend sind. Das macht diese Zeit spannend und fordernd. Aber auch sehr emotional. Denn es ist und bleibt einfach herzzerreißend, hört man sich seine fantasievollen Geschichten aufmerksam an. Nicht nur einmal saß ich plötzlich neben einem Dinosaurier bei Tisch – ohne es zu merken.

Die Meilensteine

Samuel kümmerte sich aber auch um seine eigenen Projekte: Anfang des Jahres quittierte er seinen Windeln endlich ihren Dienst. Etwas wehmütiger gestaltete sich der Schnuller-Abschied. Einige Male musste der Sauger noch aus dem Schnuller-Exil zurückkehren, bevor dieser – feierlich – ganz verabschiedet wurde. Auch sprachlich machte der kleine Mann einen großen Sprung. Mittlerweile ist er nicht mehr nur von Insidern zu verstehen. Auch ist nicht zu überhören, dass er sich gerne reden hört. Ohne Luft zu holen, kann er eben seine Geschichten loswerden, Ratschläge geben oder Löcher in den Bauch fragen. Antworten gibt er hingegen nur spärlich. Beispielsweise ernte ich auf die Frage, wie es im Kindergarten war, entweder ein „Ich weiß nicht“ oder – bei optimaler Laune – ein „Gut“.

Grenzgänger

Natürlich testet Samuel gerne seine Grenzen aus. Und auch meine. Ich bin es zwar gewohnt, daheim nicht das letzte Wort zu haben. Trotzdem gestalten sich Wortgefechte mit einem 3-Jährigen doch recht mühsam. Ebenso lässt Samuel gerne Dampf ab, passt ihm etwas nicht. Das kann er aber auch ohne Grund – wie wir feststellen durften. Dann hilft nur, Ruhe zu bewahren. Keine einfache Sache, während ein 100 cm großer Mensch wie ein Orkan schreiend durch das Haus braust. Doch legt sich der Sturm wieder, steht eben genau dieser kleine Mann vor mir, stammelt ein „Tschuldicke“ hervor und sucht wieder die Nähe. Falls das Taktik ist, um den Konsequenzen für seinen Wutausbruch zu entgehen, macht er es einfach wirklich gut.

Charaktersache

Nicht nur in solchen Fällen machen sich bereits einige Charaktereigenschaften bemerkbar. Natürlich werfen sie auch gleich Fragen auf, von welchem Elternteil mein Sohn nun diverse Eigenschaften übernommen hat. Überraschenderweise teilt meine liebe Ehefrau nicht alle meine Ansichten zu diesem Thema. Ich beharre allerdings darauf, dass sein Sturkopf von seiner Mama sein muss. Die Fröhlichkeit muss er dafür von mir haben …

 Elternteilzeit

Die Corona-Krise brachte Samuel und mir unverhofft mehr Zeit ein. Wir unternahmen sehr viel gemeinsam, testeten unser sportliches Geschick und bauten in diesen Wochen tatsächlich eine sehr intensive Papa-Sohn-Beziehung auf. Diesen Wunsch, mehr Zeit für meine Familie zu haben, wollte ich eigentlich im Dezember 2019 mit meiner Elternteilzeit in die Tat umsetzen. Dieser Versuch scheiterte bereits nach zwei Monaten. Dafür war die Zeit – wie befürchtet – offensichtlich doch noch nicht reif …

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