Wie viel Vorbereitung braucht es wirklich?

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„Ihr seid ja vorbereitet“, stellte der mittlerweile dreifach erfahrene Opa unseres ungeborenen Sohnes bei seinem Lokalaugenschein unserer Wohnung fest. Der Hochstuhl neben unserem Esstisch sprang ihm dabei ins Auge. Sein ungläubiger Blick stellte zugleich die Frage, ob wir diesen Stuhl wirklich jetzt schon brauchen.

Vorbereitungen

Ok, wir haben einen Hochstuhl günstig erworben, der es angeblich ermöglicht, dass unser Baby vom ersten Tag an, an unserem Tisch sitzen bzw. liegen kann. Gut, wir haben ein Babybay montiert, einen Stubenwagen zusammengebaut, den Koffer für die Klinik gepackt und seit ein paar Tagen fahr ich mit einem Kindersitz im Auto durch die Gegend. Der Kinderwagen ist auch schon längst fahrtüchtig, eine Probefahrt lehnte meine liebe Ehefrau ab. Zu schräg erschien ihr die Vorstellung, mit einem leeren Kinderwagen eine Runde um den Häuserblock zu drehen. Und ja, Kleidung ist – hier treffen allerdings Philosophien aufeinander –genug vorhanden. Selbst der Name für unser Baby steht seit Wochen fest. Aber sind wir jetzt gut vorbereitet? Geht das überhaupt?

Rückblick

Vor über 30 Wochen teilte unser Sohn uns mit, dass er entschieden hat, sein Leben mit uns zu verbringen. Wann er genau damit starten möchte, ließ er offen, änderte er ja bei jedem Arzt-Termin das Datum seiner Ankunft. Diese „Schauma mal“-Einstellung hatte er anscheinend schon früh von seinem Vater angenommen. Dennoch spürte ich bei jedem Augenzwickern am Ultraschallbild, bei jedem Tritt durch die Bauchdecke meiner lieben Ehefrau, dass er sich auf seinen Papa verlässt, die nötigen Rahmenbedingungen zu schaffen. Dafür mit einer Vorlaufzeit von rund sieben Monaten agieren zu können, sah ich als fair an. Diese Zeitvorgabe wünschte ich mir oftmals auch gerne in meinem Beruf. Wir benötigten auch viel Zeit: Den Kaufprozess jeder neuen Anschaffung begleitete eine lange Entscheidungsfindung. Zu oft tappten meine liebe Ehefrau und ich im Dunkeln, was wir tatsächlich ab dem Tag X bra20161026_152238uchen könnten. Lieber weniger als mehr anschaffen, lautete unser Credo. Das ich – zugegeben – nicht immer gewissenhaft befolgte: Denn heute weiß ich – dank meiner lieben Ehefrau –auch, dass das ferngesteuerte Auto, das ich sooo günstig auf einer Messe erstanden hatte, wohl nicht zu den notwendigen ersten Anschaffungen zählte …

Gegenwart

Ein Dach über dem Kopf, ein Bett, ein Fortbewegungsmittel, etwas zum Anziehen und ein bisserl Babykram stehen bereit. Und sogar ein Hochstuhl wartet auf seine Erstbesteigung. Die Hausaufgaben sind erledigt. Den eventuell fehlenden Rest wird uns unser Baby zeitgerecht mitteilen. Rund drei Wochen vor dem geplanten Geburtstermin zeigt unser Sohn schon jetzt, dass er für seine Interessen einsteht: Passt ihm nachts die Schlafposition meiner lieben Ehefrau nicht, protestiert er mit Tritten. Tagsüber spielt er sich ins Geschehen, indem er sich durch den Bauch seiner Mutter wälzt, wahrscheinlich auf der Suche nach einem Seitenausgang. Zugegeben: Mich vergnügt sein Orientierungslauf etwas mehr als meine liebe Ehefrau, der meist die Luft wegbleibt. Mit jedem Tag steigt allerdings die Spannung, wie die Geburt wohl verläuft, wie mein Sohn aussehen wird und wie wir als frischgebackene Eltern den Alltag meistern werden. Vorbereitung hin oder her – situationselastisch zu bleiben, heißt es wieder. Darauf hat mich die Schwangerschaft auch schließlich vorbereitet.

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