Hebammen und ich – eine schwierige Beziehung

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Zwischen der 18. und 22. SSW dürfen werdende Eltern im Rahmen des Mutter-Kind-Passes eine einstündige Beratung bei einer Hebamme in Anspruch nehmen. Bei der Suche nach der „Richtigen“ hilft eine eigene Broschüre und/oder das Internet. Ich nahm mir einen Sonntagvormittag Zeit und ackerte das Heft durch, suchte nach Hebammen in unserer näheren Umgebung. Natürlich befragte ich Google, ob vielleicht Bewertungen der Geburtshelferinnen vorliegen. Schließlich hatten meine liebe Ehefrau und ich zwei Auserwählte. Termine waren ebenso rasch ausgemacht. Wir entschieden für uns bereits vorher, dass wir die Unterstützung einer Hebamme vor allem für die ersten Tage nach dem Verlassen des Krankenhauses benötigen.

Vater als Phantom

Beide Gespräche, die in Summe eine Stunde dauerten, bestätigten meine innere Befürchtung: Ich hatte einfach keinen Draht zu Hebammen! Es soll ja solche Berufsgruppen geben, zu denen man einfach keinen Bezug findet. Zum Beispiel fällt es mir schwer, zu Polizisten mit Radarpistolen eine gute, verständnisvolle Basis zu finden. Auch bei Zahnärzten orte ich eine Barriere für ewige Freundschaft. Vielleicht lag es auch an dem Ratgeber, geschrieben von Hebammen, den ich nach dem ersten Drittel weggelegt hatte, da ich mich als werdender Vater so unverstanden fühlte. In den Gesprächen mit den Hebammen selbst fühlte ich mich als Phantom, das nur Gestalt annehmen durfte, wenn es um einfache Hilfsarbeiten ging. Dass die Geburt sowie die Vor- und Nachbereitung auch für einen Vater ein bewegendes Ereignis ist, an dem sie aktiv teilnehmen wollen, sparten beide Hebammen völlig aus. Ich lehnte weitere Besuche ab, erklärte sie zu Zeitdieben. Für mich kam nur noch eine Geburtshelferin infrage, mit der Freunde oder Bekannte gute Erfahrungen gemacht hatten.

Nadel im Heuhaufen

Tatsächlich gab es diese eine Hebamme – empfohlen von unserer Frauenärztin, zu der ich seit der ersten Untersuchung großes Vertrauen hatte.  Schon damals bezog sie mich in alle Gespräche aktiv ein, wies mir den besten Platz neben dem Ultraschallgerät zu und beantwortete stets geduldig unsere Fragen. So eine Hebamme sollte es sein. Beim ersten Besuch schaffte ich es nicht, meine gesamte Skepsis daheim zu lassen. Meine liebe Ehefrau übernahm die Konversation und gab mir die Zeit, auftauen zu können. Zwar wirkte die Hebamme etwas konfus, stand sie – wie sie uns beichtete – etwas unter Zeitdruck, das machte sie allerdings auch sympathisch. Wir entschieden uns, den schwierigen Weg nach der Geburt mit ihr zu beschreiten. Zusätzlich beschlossen wir, auch die Vorbereitung in ihre Hände zu legen. Somit hatte ich fünf Einheiten Zeit, um Freundschaft zu schließen …

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