Der schwierige Weg zum Super-Dad

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Mehr als sechs Monate bin ich nun Vater eines kleinen Buben. Der Weg zum erklärten Ziel, Super-Dad zu werden, ist mit Steinen gepflastert. Denn was zeichnet einen wirklich guten Vater aus? Geht es darum, die Windel-Wechsel-Rekordzeit immer wieder neu aufzustellen? Oder die Fehlerquote beim Ankleiden des Babys zu reduzieren? Wohl kaum.

Die Rahmenbedingungen

Ein erfolgreiches Projekt braucht ein gutes Konzept. Das lehrten mich viele, intensive Berufsjahre. Also legte ich zunächst die Rahmenbedingungen für das Projekt „Baby“ fest. Ich räumte meinen Kleiderschrank für Samuels Garderobe und verabschiedete viele stylische Schmankerln aus dem letzten Jahrzehnt in die Pension. Ich verlor die Geduld beim Aufbau des Kinderwagens und fand sie erst zwei Stunden später wieder, als das Ding endlich fahrtauglich war. Ich trennte mich von meiner treuen Gefährtin Giulietta und wechselte ins Lager der Familien-Kombi-Fahrer. Ich schloss für Samuel mehr Sparformen und Vorsorgeprodukte ab, als ich selbst besitze. Und ich gab meinen Sohn bereits in den ersten 24 Stunden seines jungen Lebens grün-weiße Werte mit, indem ich seine Mitgliedschaft bei Rapid Wien unterzeichnete. Aber ich versprach vor allem, viel Zeit für ihn zu haben.

Die Herausforderungen des Alltags

Mit Samuels erstem Schrei auf dieser Welt verabschiedete sich jegliche Planbarkeit. Flexibilität war nun mehr als je zuvor in meinem Leben gefragt. Gerade in diesen ersten Monaten fühle ich mich als Vater oftmals nur Passagier in der von einem Baby geführten Hochschaubahn des elterlichen Lebens. Die Mahlzeiten sind Mutter und Sohn vorbehalten. Das Wechseln der Windeln und das Anziehen des strampelten Babys funktionieren bei meiner lieben Ehefrau einfach wesentlich rascher und kompetenter. Genauso wirkt ihr Singen von Kinderliedern einfach beruhigender auf ihn, als mein „Steh auf, wenn du ein Grüner bist“-Chanson. Überhaupt geht meine liebe Ehefrau bei vielen Dingen so routiniert und sicher vor, als ob sie nie etwas anders gemacht hätte. Es ist allerdings ihr erstes Kind. Das habe ich überprüft.

„Mein Mann kann“

Mich hingegen überfordert die Erstmaligkeit der Ereignisse. Um mein „Mein Mann kann“-Image aufzupolieren, nehme ich die Herausforderung des Alltags an. Ich antworte mit Ruhe und Geduld, fordert Samuel diese wiederholt bei seiner Mama ein. Ich versuche meine Kompetenz bei den Basics „Windeln & Co“ zu steigern, bei alltäglichen Aufgaben zu unterstützen. In diese Kategorie zählte auch mein erster Groß-Einkauf von Windeln. Der Auftrag meiner lieben Ehefrau („Kaufe bitte einen Vorrat an Windeln ein, aber günstig“) hätte nicht klarer sein können. Vollkommen überfordert stand ich damals im Supermarkt vor einer nicht enden wollenden Regalreihe aus grünen Jumbo-, Mega- oder Super-Spar-Windel-Boxen. Die Taktik des Herstellers setzte eindeutig auf Verwirrung. In detektivischer Kleinarbeit versuchte ich Unterschiede im Preis-Leistungsverhältnis festzustellen. Schließlich packte ich entnervt ein, was ich tragen konnte – und das führte mich gleich zur nächsten Erkenntnis: Für einen Groß-Einkauf ist der Kombi das bessere Transportfahrzeug als der Kinderwagen. Das hätte ich eigentlich bei meinem ersten Groß-Einkauf an Hipp-Gläsern noch wissen können …

Das Zeit-Versprechen

Mein abgegebenes Zeit-Versprechen versuche ich bestmöglich einzuhalten. Während einer Arbeitswoche sehe ich Samuel nur zwei Stunden, bevor sein Einschlafritual eingeläutet wird. Wenigstens dieses knappe Zeitfenster einzuhalten, verlangt viel berufliche Selbstdisziplin. Es gibt ja immer etwas zu tun, was im ersten Moment nicht aufschiebbar erscheint. Für pädagogisch wertvolle Inputs reicht die gemeinsame Papa-Sohn-Zeit natürlich nicht aus. Stattdessen beschränken wir uns mehr auf das Einstudieren neuer Geräusche, die der kleine Mann dann am nächsten Tag seiner Mama in einer Endlosschleife präsentieren kann. Tatsächlich dient Samuel aber vorwiegend mir als Energiequelle für meinen persönlichen Stressabbau. Aufgeholt muss das Zeitdefizit klarerweise am Wochenende werden. Da stolziere ich mit meinem Sohn im Kinderwagen durch die Gegend, beschäftige mich, so viel ich kann, mit ihm. Ob das alles reicht, um ein guter Papa zu werden? Samuel wird es mir viele, viele Jahre später einmal verraten. So wie ich meinem Vater, der in vielen Dingen für mich ein Vorbild ist. Und Männer brauchen einfach Vorbilder. Zumindest das will ich schon jetzt für meinen Sohn sein.

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