Der erste Papa-Sohn-Männerabend

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Kurz dauerte meine persönliche Vorbereitungszeit auf meinen ersten Papa-Sohn-Männerabend. Eigentlich war alles ja ganz anders geplant. Eigentlich sollten meine liebe Ehefrau und ich an diesem Abend in der Wiener Stadthalle sitzen. Eigentlich sollte Samuels Opa babysitten, damit wir mit dem Besuch des Musicals sein Weihnachtsgeschenk einlösen können. Doch mein Sohn spielte nicht mit. Gerade in den letzten Tagen klebte er förmlich an seiner Mama, zeigte schon erste Tendenzen, vor anderen Menschen zu fremdeln. Eine weitere „normale“ Phase, vor der ich mich ehrlicherweise etwas fürchtete. Dass mein Sohn auch vor mir – seinem Vater – fremdeln könnte, wie viele Ratgeber und der Expertenrat langjähriger Erziehungsberechtigter prophezeien, wollte ich nicht wahr haben. Spontan reagierte ich großzügig wie naiv zugleich, schickte meine liebe Ehefrau mit einer Freundin ins Musical und bereitete mich auf unseren ersten Männerabend vor.

Meine Erfahrungswerte

Dabei baute ich auf meine langjährige Erfahrung in puncto Männerabende. In meiner Studentenzeit gab es in einer Woche gefühlte zehn solcher Herren-Events. Und dafür brauchte es nicht viel: Ein paar gute Flascherln Bier, 22 im TV kickende andere Männer und die Stunden vergingen wie im Flug – natürlich inklusive intensiver Gespräche, an die man sich am nächsten Tag kaum erinnern konnte. So nachhaltig waren die ausgewählten Themen. (Milch-)Flascherl, Gespräche und sogar ein Fußballspiel im Fernsehen standen auch an diesem Tag auf dem Programm. Was sollte daher schon schief gehen? Die Fixpunkte Baden, Essen und zu Bett bringen, die stets meine liebe Ehefrau routiniert übernimmt, klammerte ich in meinen Gedanken des abendlichen Ablaufs noch aus.

Unsere Premiere

Pünktlich um 18:30 Uhr verließ meine liebe Ehefrau die gemeinsame Wohnung. Samuel starrte ihr ungläubig nach, inspizierte die mamalose Wohnung und legte gleich darauf so richtig los. Mit vollem Stimmvolumen. So schnell rechnete ich nicht, gefordert zu sein. Nach ein paar Minuten Hilflosigkeit passierte das, was sich jeder frischgebackene Papa nur wünschen kann. Samuel begutachtete mich, fixierte mich mit seinen großen Augen und drückte sich ganz fest an mich. Sein Schluchzen wurde immer weniger und leiser. Mein vor kurzem vollkommen aufgelöster Sohn beruhigte sich tatsächlich in meinen Armen. Von Fremdeln keine Spur. Beide waren wir nach den anfänglichen Schwierigkeiten bereit, unsere tägliche Papa-Sohn-Zeit zu starten, die wir unter der Woche stets abends pflegen. Gestärkt durch das Vertrauen meines Sohnes in meine väterlichen Fähigkeiten, wagte ich eine Stunde später, das Einschlafritual mit dem Baden einzuläuten.

Das Abendritual

Badewasser einlassen, Baby ausziehen, Baby-Schwimmreifen (übrigens eine tolle Erfindung) umlegen, Baby baden, Baby abtrocknen, Baby anziehen – für all diese Dinge, die wir sonst als Eltern gemeinsam erledigen, fehlten mir permanent ein bis zwei Hände. Die Hälfte der Vorgaben meiner lieben Ehefrau, wie beispielsweise das Eincremen, vergaß ich überfordert schlicht und einfach. Samuel wirkte dennoch zufrieden. Also auf zur nächsten Station: die Zubereitung seines Abendessen im Flascherl-Format. Und das noch dazu einhändig. In der zweiten Hand hielt ich ja meinen Sohn. Als wir endlich im Bett für seine Abendmahlzeit ankamen, wäre ich bereits einschlafbereit gewesen. So ausgelaugt fühlte ich mich nach den letzten beiden Stunden. Samuel spielte jedoch sein abendliches Spiel mit mir. Kaum trank er von der Flasche, fielen ihm die Augen zu. Entfernte ich sein Trinkgefäß, weil ich ja dachte, dass er schläft, protestierte er lautstark. Das ging hin und her, bis – zu meinem Leidwesen – sein Flascherl leer war, der kleine Mann aber nicht schlief. Ratlos über die unvorhergesehene Entwicklung wechselten wir die Blicke. Bis Samuel die Stille unterbrach. Schreiend. Ich schaukelte und wippte ihn, erzählte Geschichten und improvisierte, indem ich gesanglich ein Lied aus den 80er-Jahren neu interpretierte. Das brachte mir zumindest mitleidige, stille Minuten. Schließlich erinnerte ich mich an die Beruhigungsmaßnahme zu Beginn unseres Männerabends, drückte ihn an mich, atmete tief und langsam, bis er endlich Gleiches tat – und ruhig einschlief. 74 Minuten nach Startschuss seines Abendrituals. Unser erster Männerabend alleine zu Haus war geschafft! Das TV-Fußballspiel dafür so gut wie beendet.

Und meine liebe Ehefrau? Auch sie hat es geschafft. Zum ersten Mal seit Samuels Geburt war sie einen Abend lang nicht nur Mama. Ihre vielen Anrufe und vorwurfsvollen Whatsapp-Nachrichten („Du bist seit 1,5 Stunden nicht erreichbar“) ordne ich schlichtweg ihrer Unerfahrenheit in dieser Rolle zu.

Unser erster Männerabend ist auch Thema bei der WIENERIN (Link)

 

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