Das gescheiterte Experiment

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Wie ruhig ging es vor ein paar Wochen noch auf unserer Couch zu. Positionierte ich Samuel dort, machte er kaum Anstalten, sich wieder wegzubewegen. Diese Eigenschaft übernahm er offensichtlich früh von mir. Plötzlich setzte meine Vorbildwirkung aus, mein Sohn wollte keine Sekunde mehr ruhig auf dem bequemen Sofa verweilen. Er begann zu sitzen, zu robben und zog sich selbst an jeder sich bietenden Möglichkeit hoch. Und er machte Jagd. Vorwiegend auf Fernbedienungen. Also wagte ich ein Experiment.

Das Objekt der Begierde

Sobald Samuel neben mir auf dem Sofa Platz nahm, erwachte sein Jagdinstinkt. Sein kleiner Kopf drehte sich nach links und rechts, seine großen Augen suchten das längliche schwarze Ding, mit dem seine Eltern so gerne die Macht über das TV-Gerät ausübten. Erspähte Samuel vage unter einem Kopfpolster die Fernbedienung, gab es für ihn kein Halten mehr. Rasant machte er sich auf den Weg. Kein Hindernis konnte ihn aufhalten, selbst der Abgrund am Ende der Couch schreckte ihn nicht ab. Konsequent warf er die Pölster auf die Seite, bis er das so spannende Gerät endlich erreichte. Wie eine Trophäe streckte Samuel das Ding in die Luft, um gleich darauf wieder wild darauf herumzudrücken.

Die (scheinbare) Lösung

Selbst für mich als Neo-Papa zählt eine Fernbedienung nicht zu den pädagogisch wertvollsten Kinder-Spielsachen. Gleichzeitig ertappte ich mich immer öfter, dass ich meinem kleinen Raubtier schon freiwillig das Corpus Delicti aushändigte, damit er zufrieden war. Also musste ein Lösung her: Eine Fernbedienung für Babys – idealerweise mit blinkenden Tasten und kinderfreundlichen Tönen. Schnell fand ich dieses Produkt bei einem Online-Anbieter. Die Rezensionen bestätigten mich, dass ich nicht der einzige Vater mit diesem Problem war. Hoffnungsvoll bestellte ich dieses Ding. Nicht ohne Stolz für meine innovative Lösungskompetenz. Paar Tage später präsentierte ich Samuel sein neues, eigenes Spielzeug. Ich legte beide Fernbedienungen nebeneinander und setzte meinen Sohn an das andere Ende des Sofas. In Rekordzeit robbte er voller Freude in die richtige Richtung – nur wieder zur falschen Fernbedienung. Sein neues Spielzeug interessierte ihn auch bei den nächsten Versuchen überhaupt nicht. Ich habe dazu gelernt: Versuche nicht dein Kind auszutricksen und verstecke deine eigenen Sachen besser.

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