Alles anders

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In 40 Wochen Schwangerschaft hörte ich immer wieder die weise Prophezeiung des Expertenrats im Bekanntenkreis, dass nach der Geburt alles anders wäre. Nach der gefühlt 1000. Wahrsagung schaltete ich bei diesem Thema auf Durchzug. Natürlich muss es anders sein, schließlich verweilt ab sofort ein neuer Mitbewohner im gemeinsamen Haushalt. Einer, der keinen Geschirrspüler ein- und ausräumt, der nicht staubsaugt, der keine Termine in den gemeinsamen Kalender einträgt. Einer, der noch dazu an einem Tag mehr Müll macht, als wir gemeinsam an mehreren Tagen. Und der bereits das Potenzial andeutet, mit seinem Stimmorgan die liebliche Stimmer meiner lieben Ehefrau zu übertönen.

Die Signale

Samuel leistet eben anders seinen Beitrag zu unserer Wohngemeinschaft. Er punktet mit seinem Charme und seiner „Süßheit“. Passt ihm etwas nicht, sendet er uns unüberhörbare vokale Signale. Die Decodierung stellt für meine liebe Ehefrau und mich noch eine Herausforderung dar. Geduldig gehen wir nach dem Ausschlussprinzip vor: Zuerst wird die Windel, danach sein Hungergefühl gecheckt. Auf Rang drei liegen Bauchschmerzen, gefolgt von innerer Unruhe bzw. Übermüdung. Lassen sich diese Verdachtsfälle nachhaltig lösen, strahlt er seine Eltern glücklich an. Und sie ihn – erleichtert.

Die Lösungen

Oft genug tappen meine liebe Ehefrau und ich im Dunkeln, auf der Suche nach der richtigen Antwort auf Samuels Bedürfnis. Aber haben wir diese gefunden, überrascht uns die schnelle Wirkung der Lösung nach der hörbaren Urgewalt des Problems immer wieder. Doch jeder Tag ist wiederum anders. Hilft an einem Tag umgehend das Puken, protestiert er am nächsten Tag vehement dagegen. Löst an einem Tag ein Spaziergang Unruhe aus, schläft er am nächsten Tag schon beim ersten Luftzug im Kinderwagen ein. Die größte Überraschung für uns als Jung-Eltern ist jedoch, wie ein einfacher „Pups“ oder gar eine „Pups-Tirade“ eines Babys erwachsene Menschen zum Jubeln bringen kann …

Das Wickeln

Während das Stillen des Hungergefühls für mich als Papa eine unüberwindbare Hürde darstellt, kann ich mit dem Anlegen einer frischen Windel rasch das Gefühl des Unbehagens meines Sohnes lösen. Also wollte ich dieses Aufgabengebiet beherrschen. Doch auch hier gilt: Kein Wickeln verläuft wie das Wickeln davor. Schon bei meiner Wickel-Premiere hatte mein Sohn eine besondere Überraschung für mich. Während ich noch triumphal die erste Windel zur Seite schob, zirkelte er unter meiner Hand einen Strahl vorbei und traf gekonnt – wie Lionel Messi mit dem Ball – genau ins Schwarze. Nur war das sein Mund. Gewarnt agierte ich die nächsten Male noch vorsichtiger. Und Samuel noch gewiefter. Mal spürte ich den warmen Strahl auf meiner Hand, mal erwischte mich das große Ganze, mal strampelte er sich die frische Windel vom Leib. Sitzt die Windel endlich richtig, steht noch die Königsdisziplin – das Anziehen – bevor. Hier versagte ich ja bereits im Geburtsvorbereitungskurs kläglich. Dennoch verabschiedeten wir uns von 10 Versuchen zumindest einmal mit einem gemeinsamen Lächeln. Tendenz steigend.

Das Lächeln

Sind alle seine persönlichen Bedürfnisse erfüllt, verzückt uns mein Sohn mit seiner zeitlich selbst bestimmten Spielstunde. Unzählige verschiedene Blicke kreisen um die ihn anstarrenden, stolzen Eltern. Und gesellt sich dann noch ein Lächeln oder gar ein Jubellaut dazu, strahlen seine Mama und sein Papa um die Wette. Die gemeinsame Zeit verrinnt förmlich. Das ist letztendlich anders

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